Warum diese Seite?

Am Montag, den 4. Juni wurden meine WG und ich gegen 22:00 Uhr von der Germeringer Polizei (Germering liegt in der Nähe von München) kontrolliert. Zu diesem Zweck hielt die Polizeistreife stil- und schwungvoll vor uns auf dem Gehsteig und forderte uns auf stehen zu bleiben und die Hände gut sichtbar zu halten. Aufgrund des aggressiven Tonfalls, der beiden Beamten folgten wir der Anweisung, zumal Einer der beiden Beamten seine Hand schon am Dienstwaffenhalfter hatte. Kurze Zeit später trafen zwei weitere Streifenwagen ein, die, dem Beispiel der ersten Streife folgend, auf dem Gehsteig parkten. Langsam konnten wir die Beamten davon überzeugen, dass wir keine Gefahr darstellten, und die Situation entspannte sich. Als sich dann langsam ein ansehnliches Häufchen Polizeibeamt_Innen zusammengefunden hatte (ungefähr 5 oder 6 Streifenwagen), begannen Sie uns der Reihe nach zu durchsuchen. Dabei stellten die Beamten in unseren mitgeführten Taschen „Lebensmittel (zum großteil abgelaufen)“ (Zitat aus Ermittlungsakten, Rechtschreibfehler aus dem Original übernommen) fest. Kurioser Weise wird diesen 20 kg – größtenteils abgelaufene – Lebensmittel später ein Wert von 200€ zugewiesen.
Nachdem wir alle durchsucht und mitsamt unseres Tascheninhaltes fotografiert wurden, begannen die Beamt_Innen uns abzutransportieren und auf insgesamt 3 Polizeireviere im Umkreis von 20 km zum Festnahmepunkt zu verteilen. Drei von uns mussten eine ED-Behandlung (Fingerabdrücke etc.) über sich ergehen lassen. Einer wurde zuerst bis auf Unterhose und T-Shirt ausgezogen und ohne benötigte Sehhilfe für 2 Stunden in eine Einzelzelle gesperrt. Dafür gelang es ihm später die ED-Behandlung zu verweigern. Zwei von uns wurden zudem so lange festgehalten, bis die letzte S-Bahn abgefahren war, und sie bei Regen zu Fuß nach Hause gehen mussten, wo sie dann erst um halb 4 in der Früh ankammen.
Zwei Tage später flatterte eine Vorladung zur Vernehmung aufgrund eines „Bandendiebstahls“ (Zitat aus der Vorladung) in unsere WG. Wie sich später herausstellte, hatte ein Supermarktfilialleiter eines großen Germeringer Supermarktes Anzeige gegen uns erstattet. Das Strafmaß für Bandendiebstahl beträgt 3 Monate bis 5 Jahre (in minder schweren Fällen).
Wir halten das für total überzogen. In einem Wirtschaftssystem, in dem 50% der Lebensmittel auf dem Müll landen (Daten aus „Taste the Waste“), während in anderen Erdteilen immer noch Menschen an Unterernährung sterben, ist es wohl mehr als geboten dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Wenn die Justiz schon meint mit Strafen um sich werfen zu müssen, wäre es geboten die Lebensmittelverschwender_Innen zu bestrafen, und nicht jene, die dieser Entwicklung entgegen wirken wollen und Lebensmittel noch wertschätzen.
Deshalb haben wir uns entschieden, euch auf dieses Verfahren aufmerksam zu machen, und die menschenverachtende Lebensmittelverschwendung sowie deren Untersützung durch die Justiz aufzuzeigen. Wir fordern einen Freispruch: in allen Punkten, für alle in dieser Sache Angeklagten. Das dies erreichbar ist, beweist ein Urteil des Amtsgerichts Döbeln in dem ein Lebensmittelretter freigesprochen wurde.

5 Kommentare zu Warum diese Seite?

  1. Nicolas Liebich sagt:

    Das ist ungeheurlich, was in dieser Gesellschaft alles möglich ist!
    Ich wünsche Euch allen dreien viel Kraft und drücke Euch die Daumen, für sowas muss man nicht ins Gefängnis!

  2. Philip sagt:

    Hallo,
    was haltet ihr von einer Petition in ‚Amnesty International‘- Stil und deren Publizierung. Es stehen sicherlich viele hinter euch und gemeinsam kann man mehr erreichen!

  3. Lilli sagt:

    Ich gehe seit letztem Herbst Containern und wurde auch schon erwischt, wobei die Angestellten freundlicherweise weggeschaut haben. Das schlimmste für mich war ausgeschüttetes Spülmittel über die Lebensmittel. Dass es Menschen gibt, die sich so vehement gegen diese „Ernährung“ stellen haut mich einfach um. Euch alles gute

  4. Geronimo sagt:

    Etwas ist faul im Staate Deutschland…
    Ich finde es gut, dass ihr durch solche Aktionen Stellung gegen unsere Wegwerfgesellschaft bezieht. Diese Ich-bezogene Lebensphilosophie in unserem Kulturkreis muss endlich Platz machen für ein bewussteres, globales Denken!
    Die Idee von Philip mittels einer Petition etwas Druck zu machen finde ich nicht schlecht,
    lasst euch das doch mal durch die Köpfe gehen.

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